Dr. Ilaria Hoppe Katalogtext für "Massenkristalle"


zu Arbeiten / massenkristalle


Auszug:


"Die Macht, die dem Massenkristall zukommt, ist in seiner abgegrenzten Einheit und Festigkeit zu sehen. So kann er jahrhundertelang überleben, sich plötzlich ausdehnen oder zusammenziehen; ein Kristallisationspunkt sein, der Individuen oder Massen aufnimmt oder anstößt. Seine Grenzen bleiben stets sichtbar, auch wenn innere Strukturen verborgen bleiben.


Das Residenzstipendium des Landkreises Helmstedt für zeitgenössische Kunst, das Kati Gausmann zwischen 2005 und 2006 inne hatte, ist in einem solchen Gefüge beheimatet. Das Kloster St. Marienberg blickt, als Damenstift im Mittelalter gegründet, auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück (...). Die während des Stipendiums entstandenen Arbeiten greifen jedoch nicht in die ideele Einheit des Klosters ein, sondern veranschaulichen auf spielerische Art ästhetische Gesetzmäßigkeiten flüchtiger oder unsichtbarer Strukturen. Dabei wurde die Metapher des Massenkristalls in eine ästhetische, abstrakte Dimension überführt.


(...) hier zeigt sich die sensible Auseinandersetzung der Künstlerin mit den vorgefundenen Gegebenheiten, auf die sie nicht direkt einwirkt und von denen sie sich nicht vereinnahmen läßt. Vielmehr wird der Ort zum Material ihrer aufmerksamen Beobachtungen, die sie uns zur Verfügung stellt."


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